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Gamification: Wie Du den Spaß am Fitness Training behältst

Du gehst diszipliniert Deiner Trainingsroutine nach, arbeitest akribisch Deinen Plan ab. Doch irgendwie fehlt Dir der Antrieb, der „Drive“. Du machst zwar Fortschritte, aber der Spaß am Training fehlt Dir irgendwie.

Vielleicht ist es an der Zeit, Dein Training etwas spielerischer zu gestalten? Dann ist dieser Artikel genau richtig für Dich! Wir klären Dich über das Phänomen der „Gamification“ auf und erklären Dir, wie Du Dein Training und vielleicht auch Deinen Alltag etwas spielerischer und lockerer angehen kannst.

Folgende Inhalte erwarten Dich in diesem Artikel:

Gamification: Wie Du den Spaß am Fitness Training behältst


 

Was ist Gamification?

Gamification wird als ein Prozess der spielerischen Gestaltung von Aktivitäten in einem spielfremden Kontext durch die Verwendung von Spiel-Design-Elementen definiert (1). Ziel dabei ist die Verhaltensänderung und Motivationssteigerung (2).

Dieser Prozess wird von Kindern schon oft intuitiv umgesetzt, Erwachsene verlernen diese Eigenschaft aber häufig. Vielleicht kennst Du die Situation: Zwei Kindern ist auf einer Autofahrt langweilig. Auf einmal fangen sie an, aus dem Fenster zu schauen und die vorbeifahrenden Autos zu beobachten. Jedes Mal, wenn sie ein blaues Auto sehen rufen sie „Blau“, bei einem roten Auto „Rot“ und das tun sie für jedes Auto je nach Farbe.

Sie haben ein Spiel erfunden, um die für sie langweilige und anstrengende Autofahrt spannender und abwechslungsreicher zu gestalten. Noch interessanter wird es, wenn das Spiel über Sieg und Niederlage entscheidet, also die Kinder sich z.B. Punkte für das richtige und schnelle Erkennen geben. Generell lieben wir das Gewinnen, da etwas Gewonnenes das Belohnungszentrum im Gehirn anspricht (1).

Daraus resultiert, dass wir uns freuen, Spaß an der Sache finden und weitermachen wollen. Wenn Du nun das Prinzip des Gamifications auf Deinen Sport und Dein Training übertragen kannst, fällt es Dir deutlich leichter, Spaß daran zu finden und aus dem Training ein Highlight zu machen.

 

Gamification im Training und beim Sport

Das Prinzip der Gamification wurde anfangs vor allem im Werbebereich und im Marketing eingesetzt. So kennst Du bestimmt verschiedene Treuepunktaktionen von unterschiedlichen Einzelhandelsketten, Mode-Geschäften oder Restaurants.

In der vergangenen Zeit erhielt es aber auch Einzug in vielen Lernbereichen und auch im Sport- und Fitnesssektor. Besonders durch Apps und Wearables wie Fitnesstracker oder Smartwatches hat sich das spielerische Fitnesstraining entwickelt.

Daneben entwickeln sich aber immer weitere fitnessbasierte Technologien, die auf Gamification abzielen. Im Nachfolgenden geben wir Dir dafür ein paar Beispiele.

 

Vernetze Cardiogeräte

Besonders in der jetzigen Zeit gewinnt diese Art des Ausdauertrainings an Beliebtheit. Du sitzt eigentlich allein auf deinem Ergometer oder Indoor Cycling Rad in Deiner Wohnung, dennoch fährst Du trotzdem in der Gruppe zusammen und gegen andere, die zeitgleich mit Dir ihr Cardiotraining durchführen.

So bist Du motivierter, da Du ja ein Rennen gegen andere fährst und natürlich gewinnen möchtest. Dazu gibt es viele Laufbänder, die Dich auf dem Display virtuell durch verschiedene Landschaften oder Städte führen. So kannst Du Sightseeing aus Deiner Wohnung laufend erleben.

 

Fitness-Wearables

Viele Trainierende verwenden Fitnesstracker oder Smartwatches, um ihre körperliche Leistungsfähigkeit und allgemeine Gesundheit im Auge zu behalten.

Diese Wearables sind ideal für den Einsatz in einer gamifizierten Umgebung. Wenn Du Dein tägliches Schrittziel erreichst, erhältst Du eine kleine Abzeichnung.

Genauso wenn Du Deine wöchentlichen Aktivitätsminuten erreichst. Das spornt an und führt spielerisch dazu, dass Du Dich mehr bewegst und trainierst.

 

Fitnessorientierte Apps

Sowohl direkt als auch indirekt gibt es viele Apps, die das gamifizierte Prinzip auf Bewegung und Fitness anwenden. Zu einer der bekanntesten Apps gehört Freeletics. Hier absolvierst Du verschiedene Workouts mit Deinem eigenen Körpergewicht, vergleichst Deine Zeiten mit anderen und steigst je nach Zahl Deiner Workouts auf bestimmte Level auf.

Du bist also der Hauptcharakter Deines eigenen Rollenspiels zum Thema Fitness. Indirekt haben sich ebenfalls in den letzten Jahren zahlreiche Apps entwickelt, die die Menschen unterbewusst und auf spielerische Art und Weise in Bewegung bringen. So kann man bei einer bekannten App virtuell auf die Jagd nach aus der Kindheit bekannten Animationsfiguren gehen, muss dafür aber seine Umgebung zu Fuß oder per Rad erkunden.

Des Weiteren erfreut sich auch das „Geocatchen“ immer größerer Beliebtheit, wo Du bestimmte Verstecke aufsuchen musst, um einen kleinen Schatz zu finden. Das spornt an und führt spielerisch dazu, dass Du Dein Schrittziel pro Tag einfach nebenbei erreichst.

 

(Online-)Ranglisten

Oft sind in einigen sportspezifischen Apps und Anwendungen ebenfalls schon Ranglisten integriert, mit denen Du deine Leistung mit anderen Teilnehmern vergleichen und Dich einschätzen kannst. Dazu gibt es besonders im funktionellen Fitnessbereich und im Kraftdreikampf oder Gewichtheben sogenannte „Online-Competitions (Wettkämpfe)“.

Du absolvierst Dein Workout, trägst Dich in die Rangliste und vergleichst Dich mit anderen Teilnehmenden. Dieser soziale Vergleich spornt an und motiviert. Dazu fühlst Du Dich einer Gruppe verbunden. Du gehst motivierter in Dein Training, denn Du möchtest ja beim nächsten Wettkampf weit oben auf der Rangliste stehen (3).

 

Fitness auf der Konsole

Neben Smartphone und Apps bringen auch die klassischen Spielekonsolen mehr Bewegung in Deinen Alltag. So kannst Du verschiedene Bewegungsspiele schon auf der Konsole nachspielen.

Von Tanzen über Boxen bis hin zu Core- und Yogaübungen bieten viele bekannte Konsolenanbieter Möglichkeiten, auch zuhause in Bewegung zu bleiben. Hier wird der Sport dann tatsächlich zum richtigen Spiel!

Aber auch abseits von Geräten und Technik lässt sich das Prinzip der Gamification für Deine Fitness  anwenden.

 

Challenges und Musik

So ist beispielsweise eine „100 Liegestütze pro Tag“ Challenge ebenfalls eine Variante, wie Du Deine Fitness und Dein Workout spielerischer gestalten kannst.

Challenges im Allgemeinen sind ein kleines Spiel gegen Dich selbst und sorgen durch die innerliche Verbindlichkeit für enorme Motivation. Ebenso verhält es sich mit Musik und bestimmten Liedern. So kannst Du Dir beispielsweise ein Lied pro Übung aussuchen und damit Deine weniger beliebten Übungen innerhalb der Laufzeit des Liedes absolvieren.

Natürlich solltest du Pausenzeiten und Satzzahl bei der Musikauswahl berücksichtigen. Aber bei der Bandbreite an verfügbaren Songs findest Du sicherlich das richtige Lied für jede Übung. Dazu gibt es bestimmte Song-Workouts, in denen Du beispielsweise bei einem bestimmten Wort im Songtext in die tiefe Kniebeuge gehst und bei einem anderen Wort wieder aufstehen darfst.

So bringst Du Abwechslung in Dein Training und trainierst Deine Beine trotzdem intensiv.

 

Gamification in der Natur

Aber auch ohne Technik lässt sich das Prinzip nur mithilfe Deiner Vorstellungskraft anwenden, um z.B. Deine nächste Joggingrunde attraktiver zu gestalten.

Wenn Du das nächste Mal durch einen Wald oder entlang einer Allee laufen gehst, kannst Du Dir vornehmen, eine Strecke von Baum zu Baum so schnell wie möglich zu laufen und dann ebenfalls wieder einen Abschnitt etwas langsamer zu gestalten.

Dadurch integrierst Du ganz einfach ein Intervalltraining in Deinen Lauf, ganz ohne Dich an starre Zeitvorgaben zu halten.

 

Gamifizierte Fitnessevents

Große Laufevents, bei denen die Teilnehmer eine bestimmte Strecke zurücklegen und dabei verschiedene Hindernisse überwinden müssen, stellen ebenfalls eine gamifizierten Ansatz dar.

Dabei handelt es sich entweder um Hindernisläufe, bei denen Du Dich entweder im Team oder allein durch unwegsames Gelände, Matsch und Wasser kämpfen musst, um Dein Ziel zu erreichen oder um genau definierte Fitness-Wettkämpfe.

Beispielsweise läuft jeder Starter acht 1-Kilometer-Intervalle und absolviert zwischen jedem dieser Intervalle ein Workout aus dem funktionellen Fitnesstraining, bis das Ziel erreicht wurde.

 

Das Zufallsworkout

Eine weitere Idee besteht darin, klassische Spielutensilien wie ein Kartenspiel oder einen Würfel mit Sport und Fitness zu verbinden. So kannst Du Dir z.B. Dein Workout würfeln.

Du legst für die Werte des Würfels jeweils eine Übung fest und würfelst dann eine bestimmte Anzahl. Je nach Abfolge und Wurfanzahl hast Du nun eine Reihenfolge von Übungen, die Du nacheinander absolvierst.

Ähnlich verhält es sich mit dem Kartenspiel. Du legst für die verschiedenen Symbole der Karten wieder bestimmte Übungen fest, beispielsweise 10 Liegestütze bei Kreuz,
20 Kniebeuge bei Herz usw. So kannst Du Dir ebenfalls durch Ziehen von Karten ein Training zusammenstellen.

Gamification: Wie Du den Spaß am Fitness Training behältst


 

Vorteile von Gamification

Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Gamification in Dein Fitnessprogramm einzubringen. Du wirst zur Bewegung motiviert und animiert.

Insgesamt entsteht dadurch eine unterhaltsame und herausfordernde Umgebung für Dich. Als Trainierender fühlst Du Dich in Dein eigenes Rollenspiel versetzt und möchtest dementsprechend besser werden.

Die „gamifizierten“ Fitness-Workouts bieten, ebenfalls wie einige Spiele, ein gewisses Suchtpotenzial. Du bist begierig darauf, weiterzumachen und Dich der nächsten Herausforderung zu stellen. Dadurch bleibst Du motiviert und engagiert, um Deine Ziele zu erreichen.

In einer visuellen oder realen Gruppenumgebung fördert Gamification den Wettbewerb und sorgt gleichzeitig für ein starkes Gemeinschaftsgefühl – eine Kombination, die äußerst begehrt ist. Du fühlst dich in einer Gemeinschaft verbunden und möchtest Dich messen oder Deine Erfahrungen mit anderen teilen.

 

Nachteile von Gamification

Die spielerische Herangehensweise an Dein Fitnesstraining birgt aber leider auch einige Nachteile. So ist es schwierig, einem konkreten Trainingsplan vollständig gamifiziert nachzugehen, da hier oft eine gewisse Struktur bestehen muss.

Diese sollte nicht durch einen spielerischen Ansatz durcheinandergebracht werden. Des Weiteren kann das leichte Suchtpotenzial auch in einem zwanghaften Verhalten enden.

Du möchtest z.B. zu viele Challenges gleichzeitig absolvieren und setzt Dich dadurch unter Druck. Das genaue Gegenteil von dem, was die gamifizierte Fitness eigentlich bezwecken sollte.

Gamification: Wie Du den Spaß am Fitness Training behältst


 

Take-Home Message

Das Prinzip der Gamification findet immer mehr Anklang in der Fitnessszene. Neue Technologien, Apps, Anwendungen und Fitnessgeräte bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, sein Training spielerischer, abwechslungsreicher und aufregender zu gestalten.

Damit bleibst Du motivierter und behältst die Freude an Sport und Bewegung. Wenn es jedoch um konkrete Fitnessziele geht, sollte Dein Training strukturiert und geplant bleiben.

Dennoch bietet Dir das Prinzip der Gamification auch hier immer eine Möglichkeit, Deine Trainingsroutine zwischendurch abwechslungsreicher und spielerischer zu gestalten. So erreichst Du Deine Ziele mit Spaß und Freude, ohne dabei zu verkrampft Deinem Sport nachzugehen.

 

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(1) Sailer, M. (2016): Die Wirkung von Gamification auf Motivation und Leistung: Empirische Studien im Kontext manueller Arbeitsprozesse. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München, Springer Verlag. URL: https://content.schweitzer-online.de/static/catalog_manager/live/media_files/representation/zd_std_orig__zd_schw_orig/036/509/334/9783658143091_content_pdf_1.pdf

(2) Gabler Wirtschaftslexikon (2019). Definition: Was ist „Gamification“? Verfügbar unter: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gamification-53874/version-368843.

(3) Kankanhalli, A. (2015): Gamification in Fitness Apps: How do Leaderboards influence Exercise? National University of Singapore. Verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/309557443_Gamification_in_Fitness_Apps_How_do_Leaderboards_influence_Exercise

(4) Lister, C., et al. (2014): Just a Fad? Gamification in Health and Fitness Apps. JMIR Serious Games. URL: https://doi.org/10.2196/games.3413.



markuswilhelms

markuswilhelms

Autor und Experte

Markus entwickelte seine Leidenschaft für den Fitnesssport und gesunde Ernährung aufgrund einer schweren Rückenverletzung in seiner Zeit als Fußballer im Jugendbereich. Durch gezielten Kraftsport, Physiotherapie und angepasste Ernährung konnte er seine Verletzung auskurieren und beschloss darauf, auch beruflich in diesem Bereich tätig zu werden. Er ist ausgebildeter Sportfachmann und zertifizierter Ernährungsberater. Zudem besitzt er einen B.A. Abschluss in Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gesundheitssport und Prävention. Derzeit befindet er sich mitten im Masterstudium für Sport & Ernährung, nachdem er zuvor ein halbes Jahr als Fitnesstrainer auf einem Kreuzfahrtschiff Erfahrungen gesammelt hat. Nebenberuflich arbeitet Markus als Übungsleiter im Rehasport, Fitnesstrainer und als Coach in einer CrossFit-Box. Dazu ist er als Referent für den Deutschen Olympischen Sportbund im Zuge von Special Olympics tätig. In seiner Freizeit ist Markus ebenfalls sportlich als begeisterter CrossFit-Athlet unterwegs. Aber auch Tennis, Bouldern, Fahrten auf dem SUP und das winterliche Skifahren stehen häufig auf dem Programm. Neben dem Sport ist er begeisterter Hobbykoch, probiert gerne neue Lebensmittel oder genießt den Abend entspannt mit Freunden bei einem guten Film im Kino.


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